Brutsystem des Buchdruckers

Borkenkäferbefall auf Windwurfflächen: Prozessanalyse für Handlungsoptionen

Der Buchdrucker (Ips typographus L., Coleoptera, Curculionidae, Scolytinae) kann im Falle einer Massenvermehrung ein großflächiges Absterben von Fichtenbeständen verursachen. Extreme Klimaereignisse wie Hitzeperioden oder Stürme bieten dabei günstige Voraussetzungen für die Entwicklung von Buchdruckerpopulationen, in dem der Wirtsbaum Fichte (Picea abies L., Karst. Pinaceae) durch Trockenstress oder Windbruch in seiner Vitalität und Abwehrkraft geschwächt wird. Insbesondere Windwurfflächen, auf denen umgestürzte Fichten optimale Brutbedingungen bieten, können solch eine Massenvermehrung hervorrufen. Anhand von neuen Forschungsergebnissen zu verschiedenen Aspekten des Systems Insekt-Umwelt-Mensch sollen Handlungsoptionen für ein effektives Waldmanagement zur Eindämmung von Buchdruckerschäden aufgezeigt werden.

Im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit finanzierten Projektes arbeitet der Lehrstuhl für Tierökologie mit 2 weiteren Institutionen eng zusammen: mit dem Lehrstuhl für Atmosphärische Umweltforschung (TUM) und mit dem Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des Forschungszentrums Karlsruhe GmbH. Zusätzlich gibt es Kooperationen mit den Professuren für Waldökologie (ETH Zürich) sowie für Biogeographische Modellierung (Universität Bayreuth).

Im Detail werden folgende Arbeitsschwerpunkte innerhalb des Projektes bearbeitet:

  • Chemische Interaktionen zwischen Wirtsbaum, Buchdrucker und fichtenpathogenen Pilzen im Befallsverlauf
  • Räumlich-zeitliche Ausbreitung des Buchdruckers in Beziehung zu verschiedenen standörtlichen Faktoren
  • Biosphäre-Atmosphäre-Austausch von CO2, H2O, Temperatur und flüchtigen organischen Verbindungen auf Windwurfflächen

Als Untersuchungsgebiete dienen die beiden bayerischen Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden, wo sowohl die natürliche Dynamik (innerhalb der Kernzonen) untersucht, als auch der Einfluss von Managementmaßnahmen (in den Randzonen) dokumentiert werden kann. Ein breites methodisches Spektrum (Fernerkundung, Feld- und Laboruntersuchungen, individuen-basierte Modellierung) ermöglicht die Integration von Ergebnissen unterschiedlicher räumlicher und zeitlicher Skalen.

Ansprechpartner: Reinhard Schopf, Markus Kautz